Vernichtungsmodus aktiviert (Triggerzone, Tränen, Tavor in der Teetasse).
Sophie ›Agatha‹ Brown über Candygirl von Michael Merhi.

Einstieg – Die Krimibraut kollabiert:
Ich hab Candygirl gelesen.
Komplett.
Von vorne bis hinten.
Mit Notizblock.
Mit Leselampe.
Mit Hoffnung.
Und was soll ich sagen?
Ich bin durch. Komplett durch.
Nicht emotional –
existentiell.
Ich hab Bücher gelesen über Serienkiller.
Über Kannibalen.
Über Frauen, die ihre Männer im Schlaf vergiften.
Aber DAS?
Das war kein Thriller.
Das war kein Roman.
Das war ein Exorzismus!

Plot – Stil – Sprache – Katharsis:
Bobby.
Candygirl.
Zuhälter.
Missbrauch.
Kinder.
Gottverdammt.
Ich wollte das nicht wissen.
Ich wollte das nicht sehen.
Ich wollte einen Mord,
einen Tatort,
einen Fall,
eine Leiche mit Hut vielleicht.
Und was krieg ich?
Brandzeichen.
Vergewaltigung.
Gotteslästerung.
Kinderhölle.
Der Stil?
Hart. Kalt. Grausam.
So direkt,
dass ich weinen musste.
Ich hab gelesen
und dabei das Gefühl gehabt,
mein Wohnzimmer verwandelt sich
in die Hölle und ich steh daneben
und kann nichts tun.

Was macht das mit mir?
Ich hab drei Mal aufgehört.
Einmal zum Weinen.
Einmal zum Kotzen.
Einmal zum Duschen.
Dieses Buch…
Es ist wie ein Unfall auf der Autobahn.
Du willst nicht hinsehen –
aber du MUSST.
Und dann
→ kam Bobby.
Bobby, der alles zerstört, alles fickt,
was klein ist,
verletzlich,
und aus Fleisch und Blut besteht.
Ich kann das nicht mehr anders sagen.
Ich hab keine Metaphern mehr.
Nur Tränen und Wut.

Rage und Realitätsverlust:
Ich hab meine Mutter angerufen.
Ich so: »Mom, ich glaub, ich bin gestorben.«
Sie versucht, mir zu erklären,
warum das literarisch relevant ist.
Was Trauma-Literatur soll.
Was Hardcore-Fiction kann.
Ich hab nur geweint.
Und gekocht.
Und dabei meine Tomatensauce »Exorzismus Spezial« genannt.
Gesellschaftlicher Kontext – leider real:
Merhi beschreibt nicht einfach Gewalt.
Er beschreibt Missbrauch.
Institutionelles Versagen.
Religiöse Wut.
Sadismus an Kindern.
»Ich hasse Gott! Abgrundtief!
Und ich?
Ich hab vier Kinder.
Ich hab einen Hund.
Ich hab einen Ofen.
Ich hab ein gutes Herz.
Und jetzt hab ich Schweineschwarte Bob in meinem Kopf
– und ich krieg ihn nicht mehr raus.
Schlusssatz / One-Liner:
Dieses Buch ist keine Geschichte.
Es ist ein literarischer Schrei
aus der Gosse der Menschheit.
Und ich wünschte, ich hätte ihn nie gehört.
Zitat, das bleibt:
»… schließlich waren es doch Gottes Kinder. Und der Mann hasste Gott. Abgrundtief.«
Ich sag nur: »Wenn das hier Literatur ist –
ist die Geburtsurkunde von Michael Merhi ein Haftbefehl.«
Sophie out.
Mit Kamillentee,
dem Kreuz in der Hand
und einem Gebet
für jede Figur in diesem Buch.
Und für mich selbst.


Zum Buch
Bobby war nicht böse. Das Leben war böse. Die Umstände waren böse. Sein Vater, ja der war abgrundtief böse, aber er? Bobby? Niemals! Das zwölfjährige Mädchen Candygirl gerät in die Fänge des Zuhälters ›Schweineschwarte Bob‹, der ihr das Leben zur Hölle macht. Der sadistische Mann setzt alles daran, das zwölfjährige Mädchen sowohl seelisch als auch körperlich zu brechen. Wie ein Stück Vieh wird das junge Mädchen gebrandmarkt und von einem perversen Kunden an den anderen weitergereicht. Und was war mit Bobby? Bobby interessierte es einfach nicht, ob es kleine Mädchen oder Jungs waren, er nahm sie beide gern, schließlich waren es doch Gottes Kinder und der Mann hasste Gott. Abgrundtief!
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