Vernichtungsmodus aktiviert (emotional. überfordert. mit Pudding in der Hand).
Sophie ›Agatha‹ Brown über Kellerspiele von Simone Trojahn

Einstieg – Sophie atmet in eine Tüte:
Ich hab Kellerspiele gelesen.
Ganz.
Mit Tee.
Mit Decke.
Mit Hoffnung.
Und jetzt?
Jetzt… bin ich ein Wrack.
Ein zitternder, verstörter, psychisch verbeulter Puddinghaufen mit Buch in der Hand
und einem Blick, der sagt: »Ich war da unten im Keller. Und ich bin nicht mehr dieselbe.«

Plot – Stil – Sprache – Figuren – Abgrund:
Karl.
Sein Bruder.
Toni.
Ein Keller.
Ein Mädchen.
Und eine Geschichte,
die sich anfühlt,
als hätte man Agatha Christie
mit einem Dildo
und einem Höllenhund vermischt.
Die Sprache?
Vulgär.
Direkt.
Unzensiert.
Ich bin dreimal beim Lesen aufgestanden,
hab mir die Hände gewaschen
und einen Kamillentee gekocht.
Aber nichts konnte mich vorbereiten auf Sätze wie: »Er fi–…«
Nein.
Ich sag’s nicht.
Ich kann das Wort nicht mal schreiben.
Das Buch ist wie ein Schlag ins Gesicht.
Simone Trojahn hält nichts zurück.
Kein Körperloch.
Keinen Gedanken.
Keinen Dreck.
Und ich?
Ich hab’s gelesen.
Mit offenem Mund.
Mit Schweiß auf der Stirn.
Mit einer Mischung aus Ekel, Faszination und purem Entsetzen.

Was macht das mit mir?
Ich fühl mich wie nach einer Beerdigung,
bei der der Pfarrer plötzlich
über Analsex redet.
Simone, mein Kind –
was hast du gesehen,
was wir nicht sehen durften?
Was hast du gefühlt,
als du das geschrieben hast?
Warum so viel Dunkelheit?
Warum so viel Schmerz?
Gibt es in deinem Herzen keine Katzenbabys?
Keine Tassen mit lustigen Sprüchen?
Keine Erinnerungen an ein Picknick
mit Saft und Zimtschnecken?
Schreib doch mal was über einen Garten.
Oder eine alte Dame,
die in Paris eine Mörderin jagt.
Oder eine Schildkröte.
Machst du das? Ja?

Rage oder Rausch:
Das Buch hat mich gefi… ich mein geflasht –
also, nicht wörtlich, Gott bewahre –
aber mental.
Und emotional.
Und… vaginal-metaphorisch.
NEIN!
WAS REDE ICH DA?!
SIMONE, SIEH, WAS DU MIT MIR MACHST!
Am liebsten will ich dich adoptieren und in den Zoo nehmen und die Pinguine zeigen und ein einen schönen Garten wo die Sonne scheint und wo du an den Blumen riechen kannst.

Gesellschaftliche Bedeutung – oder so ähnlich:
Ich weiß, was du sagen willst, Simone.
Ich weiß, das!
Ich weiß, das ist psychologische Tiefe.
Ich weiß, du willst provozieren.
Das du über die Wahrheit sprechen willst.
Und du kannst das.
Aber du hast eine Frau aus Minnesota
mit Locken
und vier Kindern
in ein seelisches Schockstadium geschrieben.
Schlusssatz / One-Liner:
Kellerspiele ist kein Buch.
Es ist eine Therapie,
die keiner wollte
und niemand überlebt.
Aber ja –
irgendwo zwischen Sperma, Schmerz
und psychologischer Brillanz
liegt Wahrheit.
Verdammt viel sogar, denn nicht überall auf der Welt, sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Nein. Es gibt noch die Bestien die uns Frauen, in Stücke reißen. Das gibt sie. Das weiß ich. Aber… Ich will nichts von ihnen wissen!

Sophie out.
Mit Lavendelöl.
Gottes Segen.
Und dem festen Wunsch,
das nächste Buch möge bitte
von einem Hund handeln,
der ein Café erbt.

Zum Buch
Karl ist schockiert, als Toni eine junge Frau entführt, um sie im Keller des gemeinsamen Hauses gefangen zu halten. Sein Bruder ist ein Sadist. War er schon immer. Und Karl? Er ist hin und her gerissen zwischen Mitleid, der emotionalen Abhängigkeit zu seinem Bruder und dem Bedürfnis, die eigenen Triebe an der hübschen Laura zu befriedigen, die in ihm die einzige Hoffnung auf Rettung sieht. Wird Karl am Ende das Richtige tun und dem Mädchen zur Flucht verhelfen oder gewinnt der dunkle Teil in ihm die Oberhand?
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